Ganz auf sich selbst bezogen

22.12.2009 - RÜSSELSHEIM

Von Robin Kraft

JAZZCAFÉ Duo "Doppelleben" im "Rind"

Es war das erste Konzert des Duos "Doppelleben" im Rüsselsheimer "Rind". Überwiegend mit Eigenkompositionen begeisterte das Ehepaar Kesternich am Sonntag das zahlreich vertretene jüngere Publikum.

Die stark am Pop orientierten Stücke spiegelten biographische Erfahrungen der beiden Musiker wider. Simone Kesternichs mit dezent eingesetzten Posaunen-Passagen und dazu der glänzend aufgelegte Pianist Robert Kesternich führten das Publikum durch ihren persönlichen Jazzfundus. Mal dunkel und bedrohlich, mal hell und berührend, trugen Pianosoli den Abend bis zum späten Ende.

Die als Songwriterin vorgestellte Simone Kesternich und ihr für die Musik zuständiger Ehemann, Robert Kesternich, entblößten bei diesem Konzert am Sonntagabend Stück für Stück ein wenig mehr von ihrem Leben. Den furiosen Auftakt bildete das vergleichsweise bewegende, gleichnamige Stück "Doppelleben". Ganz auf sich selbst bezogen präsentierte das Duo sein Repertoire. Als Frontfrau beeindruckte Simone Kesternich nicht nur mit dem Posaunenspiel, sondern auch mit ihrer Gesangsstimme, die von leiser Einfühlsamkeit bis zur Aggression das Konzert beherrschte.

Ein weiterer Höhepunkt war das zum ersten Mal live aufgeführte Stück "Gedanken", in dem Robert Kesternich ein überragendes, düsteres Jazzsolo im Stile der "Doors" hinlegte. Ob das Publikum jedoch auch mit jenem raren Kabinettstück "Never Sad" von Herbie Hancock, dem einzigen englischsprachigen Lied des Abends, etwas anfangen konnte, ist fraglich. Das im Original mit viel Funk gespielte Stück musste hier als weiteres tragendes, langsam intoniertes Stück herhalten.

Nach zehn Stücken und einer Spielzeit von eineinhalb Stunden verließen "Doppelleben" unter fulminantem Applaus die Bühne. Hatte Sängerin und Songwriterin Simone Kesternich dem Publikum zuvor noch ihre ursprüngliche Furcht eingestanden, niemand werde zum Konzert erscheinen, schien sie nun endgültig vom Gegenteil überzeugt. Das Unbehagen war spätestens bei der Zugabe, einem dänischen Weihnachtslied, gänzlich verflogen. "Auf Wiedersehen, Rüsselsheim", rief Simone Kesternich. Ein Winterabendtraum am vierten Advent mit Jazzmusik.

 

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